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Probiotika bei allergischer Rhinitis

Frau im blühenden Blumenfeld

Inhalt

Allergische Symptome – was passiert im Körper?

Bei einer Allergie kommt es zu einer inadäquaten Immunantwort gegenüber harmlosen Umweltstoffen (Allergene wie z. B. Pollen).1 Bereits der erste Kontakt mit dem Allergen sensibilisiert die körpereigene Abwehr, das Immunsystem bildet Antikörper (im Falle von Allergien vor allem IgE). Auf diese Weise "merkt" sich der Körper die betreffende Substanz. Ein erneuter Kontakt mit dem Allergen bringt dann die Abwehrlawine ins Rollen: Das Immunsystem reagiert diesmal sofort mit den bereits vorhandenen, an die Mastzellen gebundenen spezifischen IgE-Antikörpern. 

In der Folge schütten die Mastzellen vermehrt Histamin aus – ein Botenstoff, der an der Abwehr körperfremder Stoffe beteiligt ist. Histamin verursacht Entzündungen, Rötungen und Schwellungen und führt zu den typischen allergischen Symptomen wie z. B. Schleimhautreizungen.

Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) – Ablauf mit/ohne Probiotikum

Grafik zur Erklärung des Ablaufs im Körper bei Heuschnupfen mit/ohne Probiotika

Hier erklären wir den Ablauf einer Allergie.

Was haben Darmbakterien mit einer allergischen Rhinitis zu tun?

Wenn man bedenkt, dass sich 60 bis 80 % aller Immunzellen im Darm befinden, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass der Darm bei Allergien von grosser Bedeutung ist.

Die Bildung der spezifischen IgE-Antikörper und somit die Entstehung von Allergien wird durch eine vermehrte T-Helfer-(Th2-)Immunantwort im Darm gefördert.2 Eine vielfältige Darmflora sowie bestimmte probiotische Stämme können helfen, die Th2-Immunantwort zu hemmen und somit die immunologische Toleranz gegenüber auslösenden Allergenen zu erhöhen. In der Folge wird die Lebensqualität von Allergikern verbessert.1

Probiotika bei allergischer Rhinitis – signifikante Verbesserung der Symptome

In einer Metaanalyse3 wurde untersucht, ob der Einsatz von Probiotika bei einer allergischen Rhinitis sinnvoll ist. Berücksichtigt wurden 22 randomisierte, placebokontrollierte Studien.
In allen 5 Studien, in denen Lactobacillus paracasei-Stämme eingesetzt wurden, konnten klinisch signifikante Verbesserungen der Symptome erzielt werden. Besonders wirksam war der Stamm Lactobacillus paracasei LP-33 (LP-33).

Wirksamkeit von LP-33 bei Hausstaubmilbenallergien

Kinder und Jugendliche, die an einer Hausstaubmilbenallergie (positiver Hautpricktest oder Serum-IgE gegen Allergene der Hausmilbe) litten, wurden in 2 Gruppen eingeteilt: Die Placebogruppe erhielt 4 Wochen lang Milch mit Streptococcus thermophilus- und Lactobacillus bulgaricus-Bakterien, während die Milch (200 ml) der Verumgruppe mit 2 Mrd. KBE (kolonienbildende Einheiten) LP-33-Bakterien angereichert war.

Vor Beginn der Studie und 4 Wochen danach wurden mittels Fragebogen (mPRQLQ, modifizierter Pediatric Rhinoconjunctivitis Quality of Life Questionnaire) die Häufigkeit und der Schweregrad der Rhinitis-Symptome erfasst. Durch die Behandlung mit LP-33 wurden die Lebensqualität und insbesondere der Schweregrad der nasalen Symptome signifikant verbessert.4

In einer weiteren Studie wurden Kinder und Jugendliche mit nicht-saisonaler allergischer Rhinitis (Durchschnittsalter 16) mit LP-33 behandelt. Eine Gruppe (n = 30) erhielt 2 Kapseln mit je 5 Mrd. KBE lebenden LP-33 Bakterien, die zweite Gruppe (n = 30) erhielt 2 x 5 Mrd. KBE abgetötete Bakterien und die dritte Gruppe (n = 30) ein Placebopräparat.

Sowohl die lebenden als auch die abgetöteten LP-33-Bakterien verbesserten nahezu gleichermassen die Lebensqualität und die nasalen Symptome sowie die Augensymptome. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass bestimmte Zellbestandteile der LP-33-Bakterien für die immunmodulierende Wirkung verantwortlich sind.5

Probiotika in Kombination mit Antihistaminika

Wenn die Allergiker bereits ein Antihistaminikum (Loratadin) einnehmen, kann LP-33 eine zusätzliche Symptomreduktion bei der allergischen Rhinitis bewirken.8

In einer grossen Studie wurden 425 Personen in 2 Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten 1 Woche lang 10 mg des Antihistaminikums Loratadin. Anschliessend wurde die Verumgruppe für 5 weitere Wochen mit Loratadin und 2 Mrd. LP-33- Bakterien (1 Kapsel pro Tag) behandelt, während die Placebogruppe Loratadin und ein Placebopräparat erhielt.
Am Ende der Probiotika-Therapie hatten sich sowohl die Lebensqualität als auch die Augensymptome signifikant verbessert. Dies zeigt, dass ein probiotisches Präparat mit LP-33 auch als Add-on-Therapie (zusätzlich zu einem Antihistaminikum) vorteilsbringend eingesetzt werden kann.6

Weitere Lactobacillus-paracasei-Stämme und atopische Erkrankungen

Atopische Erkrankungen erhöhen die Bereitschaft, mit einer Allergie zu reagieren. Auch andere Lactobacillus-paracasei-Stämme können Symptome von atopischen Erkrankungen mildern. So verbesserte die tägliche Gabe von 2 Mrd. KBE Lactobacillus paracasei-GMNL-133 die Symptome der atopischen Dermatitis und auch die Lebensqualität der Betroffenen. Bemerkenswert ist, dass in dieser Studie auch verschiedene Marker untersucht wurden und die Probiotika die allergische Aktivität im Darm, z. B. die Bildung von IgE und IL-4 (Zytokin, das die Th2-Immunantwort fördert), reduzierten.7 Es muss jedoch beachtet werden, dass nicht alle, sondern nur spezifische Lactobacillus paracasei-Stämme eine Aktivierung der Mastzellen hemmen können.8

Probiotika, insbesondere geeignete Lactobacillus paracasei-Stämme, helfen, die Symptome einer atopischen Erkrankung zu lindern. Bei der allergischen Rhinitis scheint speziell der Lactobacillus paracasei-LP-33 Stamm wirksam zu sein. Pollenallergiker sollten idealerweise 1 bis 2 Wochen vor Beginn der Pollensaison mit der Einnahme eines geeigneten Präparates beginnen.

Literatur

1 Pascal M, Perez-Gordo M, Caballero T et al. Microbiome and allergic diseases. Frontiers in immunology 2018;9:article 1584.
2 Ohnmacht C & Fedoseeva M. Kann die Darmflora Allergien verhindern? Deutsches Ärzteblatt 2016;2:29–31.
3 Güvenç IA, Muluk NB, Mutlu FS et al . Do probiotics have a role in the treatment of allergic rhinitis? A comprehensive systematic review and meta-analysis. Am J Rhinol Allergy 2016;30:e157–e175.
4 Wang MF et al. Treatment of perennial allergic rhinitis with lactic acid bacteria. Pediatr Allergy Immunol 2004;15:1–7.
5 Peng GC & Hsu CH: The efficacy and safety of heat-killed Lactobacillus paracasei for treatment of perennial allergic rhinitis induced by house-dust mite. Pediatr Allergy Immunol 2005;16:433–438.
6 Costa DJ, Marteau P, Amougal M et al. Efficacy and safety of the probiotic Lactobacillus paracasei LP-33 in allergic rhinitis: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial (GA2LEN Study). Eur J Clin Nutr 2014;68(5):602–607.
7 Wang IJ & Wang JY. Children with atopic dermatitis show clinical improvement after Lactobacillus exposure. Clin Exp Allergy 2015;45:779–787.
8 Cassard L, Lalanne AI, Garault P et al. Individual strains of Lactobacillus paracasei differentially inhibit human basophil and mouse mast cell activation. Immun Inflam Dis 2016;4(3):289–299.