Kollagenstoffwechsel: Mikronährstoffe und Eierschalenmembran im Fokus
Einflussfaktoren und Mikronährstoffe
Der Kollagenstoffwechsel umfasst die kontinuierliche Synthese, Modifikation und den Abbau von Kollagen (2). Diese Prozesse stehen in einem dynamischen Gleichgewicht und ermöglichen die laufende Anpassung und Reparatur von Geweben. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich dieses Gleichgewicht: Die Kollagensynthese nimmt ab, während Abbau- und Umbauprozesse weniger effizient werden (3). Gleichzeitig wirken externe Faktoren wie UV-Strahlung („Photoaging“) und chronisch niedriggradige Entzündungen („Inflammaging“) zusätzlich belastend. Die Folgen sind strukturelle Veränderungen der Kollagenfasern, die sich u.a. negativ auf die Hautelastizität auswirken können.
Die Kollagensynthese ist ein enzymabhängiger Prozess, der eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen voraussetzt. Vitamin C sowie die Spurenelemente Eisen, Kupfer und Mangan fungieren als Cofaktoren in unterschiedlichen Phasen der Kollagenbildung, von der intrazellulären Hydroxylierung bis hin zur extrazellulären Quervernetzung der Fasern. Gleichzeitig spielen Mikronährstoffe auch im Kollagenabbau eine Rolle: Matrixmetalloproteinasen sind an der Remodellierung beteiligt, können jedoch durch oxidativen Stress und entzündliche Prozesse überaktiviert werden (4). Antioxidativ wirkende Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe tragen dazu bei, dieses Gleichgewicht zu stabilisieren.
Eierschalenmembran – Förderung des Kollagenstoffwechsels
Die ESM, das dünne, weisse „Häutchen“ direkt unter der Eischale, stellt in diesem Kontext eine interessante Ergänzung dar. Sie enthält natürliche Bestandteile der extrazellulären Matrix, wie Kollagen, Elastin, Hyaluronsäure und Glykosaminoglykane. Studien deuten darauf hin, dass standardisierte ESM-Extrakte die Kollagensynthese fördern, den übermässigen Abbau hemmen und gleichzeitig antioxidative sowie entzündungsmodulierende Effekte entfalten können (5). Die Kombination verschiedener bioaktiver Komponenten scheint dabei synergistisch auf den Bindegewebsstoffwechsel zu wirken.
Klinisch wird ESM insbesondere vor allem im Zusammenhang mit der Haut- und Gelenkgesundheit untersucht und eingesetzt. Studien zur oralen Supplementierung zeigen Verbesserungen zentraler Hautparameter wie Elastizität und Hydratation, sowie Verringerung von Falten (6, 7, 8). Gleichzeitig wurde im Bereich der Gelenke eine Verbesserung von Schmerzen und Steifigkeit beschrieben, insbesondere bei degenerativen Veränderungen (9, 10, 11). Während im Gelenkbereich erste Effekte teilweise bereits nach kurzer Anwendungsdauer (einige Tage bis Wochen) beobachtet werden können (9), treten Veränderungen der Hautparameter in der Regel erst nach Supplementation über mehrere Monate auf.
Empfehlungen für die Praxis
Für die Praxis ergibt sich daraus ein breites Einsatzspektrum. Eine gezielte Unterstützung des Kollagenstoffwechsels kann insbesondere sinnvoll sein bei altersbedingten Hautveränderungen wie trockener Haut oder verminderter Hautelastizität. Ebenso bietet sich der Einsatz bei Personen mit erhöhter Gelenkbelastung, bei Gelenkbeschwerden aufgrund beginnender degenerativer Prozesse oder im sportlichen Kontext zur Unterstützung der Gelenke, Sehnen und Bänder an.
Die ESM unterstützt den Kollagenstoffwechsel über verschiedene Mechanismen und liefert wichtige bioaktive Komponenten der extrazellulären Matrix. Dabei steht weniger die direkte Kollagenzufuhr als vielmehr ihre regulierende Wirkung im Vordergrund. Ein kombinierter Einsatz mit bioaktiven Kollagenpeptiden kann daher sinnvoll sein, da diese unter anderem als Bausteine für die Kollagensynthese dienen und die Effekte sich gegenseitig ergänzen.
Fazit
Der Kollagenstoffwechsel ist ein multifaktoriell regulierter Prozess. Eine kombinierte Strategie aus gezielter Mikronährstoffversorgung, Substanzen, die den Kollagenstoffwechsel unterstützen (z.B. ESM und bioaktive Kollagenpeptide) sowie einem geeigneten Lebensstil erscheint daher besonders zielführend. Regelmässige Bewegung, eine proteinreiche Ernährung, ausreichender Schlaf und konsequenter UV-Schutz tragen wesentlich zur Erhaltung der Gewebestruktur bei.
Referenzen
- Heinrich PC et al. Löffler/Petrides Biochemie und Pathobiochemie. Springer Verlag, 10. Auflage, 2023.
- Holwerda AM, van Loon LJC. The impact of collagen protein ingestion on musculoskeletal connective tissue remodeling: a narrative review. Nutr Rev. 2022 May 9;80(6):1497-1514.
- Panwar P et al. Aging-associated modifications of collagen affect its degradation by matrix metalloproteinases. Matrix Biol. 2018 Jan;65:30-44.
- Pérez-Sánchez A et al. Nutraceuticals for Skin Care: A Comprehensive Review of Human Clinical Studies. Nutrients. 2018 Mar 24;10(4):403.
- Sim WJ et al. Anti-skin aging activity of eggshell membrane administration and its underlying mechanism. Mol. Cell. Toxicol. 2023.19, 165–176.
- González-Rodríguez Y et al. Comparative effects of MKARE® eggshell membrane and hydrolyzed collagen as nutricosmetics on skin biophysical properties: a randomized clinical trial. Front Nutr. 2026 Jan 14;12:1689701.
- Kalman DS, Hewlings S. The effect of oral hydrolyzed eggshell membrane on the appearance of hair, skin, and nails in healthy middle-aged adults: A randomized double-blind placebo-controlled clinical trial. J Cosmet Dermatol. 2020 Jun;19(6):1463-1472.
