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Welche Mikronährstoffe helfen bei Migräne?

Frau mit Kopfschmerzen vor dem Computer

Inhalt

Mikronährstoffe und schulmedizinische Therapie kombinieren – warum?

Die schulmedizinische Therapie der Migräne umfasst Triptane und kortisonfreie Schmerzmittel als Anfallsbehandlung sowie Antidepressiva, Betablocker, Kalziumantagonisten, Antiepileptika und monoklonale Antikörper.

Letztere sind seit 2018 als Arzneimittel zur prophylaktischen Behandlung von Migräne in der Schweiz zugelassen. Die Monatsspritze mit dem Wirkstoff Erenumab kann gemäss dem Hersteller bei 40–50 % der Patienten die Anzahl monatlicher Migränetage mindestens halbieren. Was können demgegenüber Mikronährstoffe bei der Anfallsprophylaxe leisten?

Lassen sich durch Medikamente ausgelöste Störungen im Mikronährstoffhaushalt verhindern?

Viele Medikamente können Wechselwirkungen mit dem Mikronährstoffhaushalt eingehen. Daher ist eine parallele Supplementierung der betroffenen Nährstoffe oft sinnvoll, um unerwünschte Nebenwirkungen zu reduzieren.

Durch die komplementäre Behandlung sowohl mit Migräne-Medikamenten als auch Mikronährstoffen lassen sich die Anfallshäufigkeit und -intensität oftmals weiter verringern und somit die Therapie optimieren.

Medikamentendose und Tabletten auf einem Tisch

Die drei wichtigsten Mikronährstoffe bei einer Migränetherapie

Aus neusten Studien stechen drei Nährstoffe heraus, die zuverlässig zur Vorbeugung und Behandlung von Migräneanfällen eingesetzt werden können: Coenzym Q10, Magnesium und Vitamin B2. Ihnen ist gemeinsam, dass sie ihren Wirkungsort in den Mitochondrien (das sind die Energiekraftwerke in den Zellen) haben. Es scheint, dass eine der Hauptursachen für das Migränerisiko in einem ausgeprägten zellulären Energiemangel liegt.

Coenzym Q10
Bereits vor über 15 Jahren wurde im Universitätsspital Zürich eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie* mit 3 × 100 mg Coenzym Q10 pro Tag über einen Zeitraum von 3 Monaten durchgeführt. Dabei konnte gezeigt werden, dass Coenzym Q10 bei 48 % der Studienteilnehmenden zu einer Halbierung der Migräneanfälle führte.1

Magnesium
Magnesium hat in mehreren Studien bewiesen, dass dessen langfristige Einnahme die Anzahl der Migränetage und -anfälle um 22–43 % reduzieren kann. Eine im Jahr 1996 durchgeführte Studie zeigte beispielsweise, dass mit 600 mg Magnesium (als Magnesiumcitrat) pro Tag während 12 Wochen die Anfälle um 42 % reduziert werden konnten.2 Auch die aktuelle Datenlage lässt darauf schliessen, dass eine prophylaktische Magnesium-Supplementierung Sinn macht.3

Vitamin B2
Im Rahmen einer Studie wurden täglich 400 mg Vitamin B2 (Riboflavin) während 3 Monaten verabreicht. Bei Probanden, welche im Schnitt 3–4 Migräneanfälle pro Monat hatten, führte Vitamin B2 zu durchschnittlich 2 Anfällen weniger pro Monat. Bei 50 % aller Teilnehmenden wurde bis zum Ende der Studie eine Reduktion der Migränetage um 59 % erzielt.4

Die aktuelle Datenlage zeigt, dass auch weitere Mikronährstoffe prophylaktische und therapeutische Wirkungen bei Migränepatienten haben können. Dazu gehören Antioxidantien, Gingko-Präparate, Vitamin D3, Niacin, Vitamin B12, L-Carnitin sowie Alpha-Liponsäure. Interessant ist, dass alle oben genannten Mikronährstoffe über eine gemeinsame Eigenschaft verfügen: Sie verbessern Störungen des mitochondrialen Stoffwechsels. Allerdings gibt es noch (zu) wenige Studiendaten zu diesen Mikronährstoffen, um sie explizit zu empfehlen.

Schlussfolgerung

Coenzym Q10 sowie auch Magnesium und Vitamin B2 wurden in Studien als Einzelsubstanzen erfolgreich eingesetzt, um die Häufigkeit von Migräneattacken und die Schmerzintensität deutlich zu reduzieren. Sie scheinen Migräneanfälle in einem vergleichbaren, klinisch relevanten Ausmass verhindern zu können wie der neu zugelassene Migränewirkstoff Erenumab.
Die 3 Mikronährstoffe lassen sich zudem sehr gut kombinieren.

Eine Supplementierung mit Magnesium, Q10 und/oder Riboflavin (Vitamin B2) bietet sich auch zusätzlich zur medikamentösen Therapie an, vor allem weil die Verträglichkeit von Mikronährstoffen so gut ist.

Tipp

  • Nehmen Sie die Mikronährstoffe zu den Mahlzeiten ein:
  • Q10 wird besser aufgenommen, wenn die Einnahme zusammen mit fetthaltigen Mahlzeiten erfolgt. Darüber hinaus werden bessere Blutspiegel aufgebaut, wenn die Tagesration auf mehrere Gaben verteilt wird.
  • Magnesium ist besser verträglich, wenn die Tagesration nicht auf einmal, sondern über den Tag verteilt eingenommen wird.

* Als Doppelblindstudie bezeichnet man eine randomisierte kontrollierte Studie, bei der weder der Versuchsleiter noch die Studienteilnehmenden (Patienten) Kenntnis über die jeweilige Gruppenzugehörigkeit (Kontrollgruppe, Experimentalgruppe) haben.

Literatur:

1 Sándor PS et al. Efficacy of Coenzyme Q10 in Migraine Prophylaxis: A Randomized Controlled Trial. Neurology 2005;64(4):713-5.
2 A Peikert A et al. Prophylaxis of Migraine With Oral Magnesium: Results From a Prospective, Multi-Center, Placebo-Controlled and Double-Blind Randomized Study. Cephalalgia 1996;16(4):257-63.
3 von Luckner A et al. Magnesium in Migraine Prophylaxis-Is There an Evidence-Based Rationale? A Systematic Review. Headache 2018;58(2):199-209.
4 Schoenen J et al. Effectiveness of high-dose riboflavin in migraine prophylaxis. A randomized controlled trial. Neurology 1998;50(2):466-70.