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Sind Nahrungsergänzungsmittel gut fürs Herz?

Personen aus verschiedenen Generationen im Freien. Im Vordergrund ist ein rotes Herz abgebildet.

Inhalt

Beliebte Nahrungsergänzungsmittel: Nutzen und Sicherheit wird immer wieder diskutiert – warum?

Knapp die Hälfte der Schweizer Bevölkerung nimmt regelmässig Nahrungsergänzungsmittel ein.1 Auch wenn sich Vitamin- und Mineralstoffpräparate einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen, wird der Nutzen insbesondere unter Fachpersonen kontrovers diskutiert. Gründe, die eine abschliessende Beurteilung erschweren, sind vielfältig: So gibt es natürlich eine Vielzahl von sehr unterschiedlich zusammengesetzten Nahrungsergänzungsmitteln. Ebenfalls können Interventionsstudien aufgrund der benötigten hohen Zahl an Probanden und der mehrjährigen Studiendauer nur begrenzt durchgeführt werden. In der Folge werden häufig Beobachtungsstudien herangezogen, um zu beurteilen, ob Nahrungsergänzungsmittel wirksam und sicher sind. Im Folgenden möchten wir Ihnen eine aktuelle Studie zu dieser Frage vorstellen, die uns aufgrund ihres Studiendesigns gefallen hat und in die richtige Richtung zeigt.

Beobachtungsstudie: Was bringen Nahrungsergänzungsmittel für die Herz-Kreislauf-Gesundheit?

Studiendesign

Bei der vorliegenden Studie2 handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Es wurden zwei unterschiedliche Gruppen untersucht und miteinander verglichen:

1. Gruppe:
156 Personen, die im Marketing für eine Nahrungsergänzungsmittelfirma arbeiteten und 30 Jahre lang unterschiedliche Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen.

2. Gruppe:
2310 Teilnehmer der gross angelegten «National Health and Examination Survey»-Studie. Diese Probanden wurden je nachdem, ob sie Supplemente zu sich nahmen, und wenn ja, welche Art von Nahrungsergänzungsmitteln sie einnahmen, in unterschiedliche Untergruppen eingeteilt:

  • NS (N = 866): keine Nahrungsergänzungsmittel
  • SS (N = 199): einzelne gezielte Nahrungsergänzungsmittel (maximal 9 verschiedene Vitamine und Mineralstoffe)
  • MVMS (N = 298): Multivitamin-Multimineralstoff-Präparate (10 oder mehr Vitamine und Mineralien)
  • MDS (N = 947): Personen, die 2 und mehr Präparate pro Tag einnahmen

Neben den persönlichen Daten wie Alter, Geschlecht, Einkommen und Bildung wurden von den Teilnehmern die Prävalenz von Diabetes und erhöhten HbA1c-Werten und die folgenden kardiovaskulären Risikofaktoren erhoben: Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride, Nüchtern-Glukose, Insulin und C-reaktives Protein. Ebenfalls wurde erfasst, ob die Personen Medikamente einnehmen mussten.

Ergebnisse & Diskussion

Die Gruppe 1 war im Vergleich zur Gruppe 2 – insbesondere zur NS-Gruppe – älter, weiblicher, gebildeter und hatte ein höheres Einkommen. Ebenfalls hatten Personen der LTMDS-Gruppe ein geringeres Körpergewicht, nahmen mehr Nahrungsfasern zu sich und mussten weniger Medikamente einnehmen. Die Subgruppen in der Gruppe 2 unterschieden sich weniger deutlich. In der statistischen Auswertung wurden diese sozioökonomischen Unterschiede berücksichtigt, dennoch ist dies sicherlich der grösste Schwachpunkt der Studie.

Die Diabeteshäufigkeit unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen, die Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen im Vergleich zu den Personen, die nicht supplementierten. Mit Ausnahme der Triglyzeride wurden alle anderen untersuchten kardiovaskulären Risikofaktoren durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln positiv beeinflusst (siehe Tabelle).

Ergebnisse: Einfluss von Nahrungsergänzungsmitteln auf kardiovaskuläre Risikofaktoren

Gruppe 2

Gruppe 1

einzelne gezielte Nahrungsergänzungs-mittel

Multivitamin-Multimineralstoff-Präparat

mindestens 2 Nahrungsergänzungs-mittel

verschiedene Nahrungsergänzungs-mittel (≥ 30 Jahre)

HbA1c ≥ 6.5 % ↓

 

 

HbA1c ≥ 6.5 % ↓

 

 

 

Nüchtern-Glukose ↓

Insulin ↓

 

Insulin ↓

 

 

 

CRP ≥ 1.5 mg/L ↓

 

 

 

Gesamtcholesterin ↓

 

 

 

HDL ↑­

HDL ↑­

LDL ↓

LDL ↓

LDL ↓

LDL ↓

Kardiovaskuläre Risikofaktoren bzw. Schutzfaktoren, die bei den Gruppen, die Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen, signifikant weniger häufig bzw. häufiger auftraten im Vergleich zur Gruppe, die keine Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahm. 

Fazit

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten darauf hin, dass die Einnahme von Multivitamin-Multimineral-Präparaten die Herzgesundheit positiv beeinflussen kann. Darauf weisen die verbesserten Werte von Blutzuckerparametern und Blutfettwerten. Weitere Studien müssen aber zeigen, welche Vitamine, Mineralstoffe und weiteren Substanzen wie z. B. Pflanzenextrakte sinnvoll sind, welche Dosierungen optimal sind und wie lange diese Präparate eingenommen werden müssen, um einen Nutzen zu erzielen.

Die Wirksamkeit von vielen einzelnen Mikronährstoffen und wertvollen Pflanzenextrakten wurde in verschiedenen Studien bereits belegt. Einige davon werden in den folgenden Artikeln von uns besprochen:

Literatur

1 BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen): Die Bevölkerung der Schweiz isst unausgewogen. 2017: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/dokumentation/nsb-news-list.msg-id-66016.html


2 Jacques PF & Rogers G. A beneficial cardiometabolic health profile associated with dietary supplement use: a cross-sectional study. Int J Vitamin Res 2021: doi: 10.1024/0300-9831/a000701

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