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Wie gut ist die Bevölkerung der Schweiz mit Mikronährstoffen versorgt?

Menschenansammlung im Freien. Ein Sinnbild für die Schweizer Bevölkerung.

Inhalt

Das Schweizer Ernährungsbulletin wurde nach 2019 bereits zum zweiten Mal vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) publiziert. Darin geht ein Teil des Berichts spezifisch auf die Versorgungssituation der Schweizer Bevölkerung mit Mikronährstoffen ein2. Die Daten zur Auswertung stammen aus der nationalen Ernährungserhebung menuCH. Darin wurden 2085 Schweizer Erwachsene im Alter von 18 -75 Jahren zweimal befragt, was und wie viel sie, wann und wo in den letzten 24 Stunden gegessen und getrunken hatten (24-h Protokoll). Gruppiert wurden die Resultate nach Geschlecht, Altersgruppen und Sprachregion der Teilnehmenden.

Die Teilnehmer wurden qualitativ im Fragebogen auch nach Ihrer Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln befragt, diese wurden aber nicht quantitativ in die Berechnungen mit einbezogen.

Die D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr werden von den Gesellschaften für Ernährung Deutschland (DGE), Österreich (ÖGE) und der Schweiz (SGE) gemeinsam herausgegeben und definieren Richtwerte für die empfohlene Nährstoff- und Energiezufuhr.  Verglichen mit den errechneten Daten aus der menuCH Studie können somit Schlüsse über die Versorgung der erwachsenen Bevölkerung (in 4 Altersgruppen/nach Geschlechtern) mit Mikronährstoffen gezogen werden.

Diverse Lebensmittel auf einem Tisch als Sinnbild für Mikronährstoffe

Die Schweizer Bevölkerung erreicht bei vielen Vitaminen die empfohlene Tageszufuhr nicht

Von den untersuchten 8 wasserlöslichen und 3 fettlöslichen Vitaminen (ohne Biotin und Vitamin K) erreicht die Schweizer Bevölkerung nur bei Thiamin (Vitamin B1), Riboflavin (Vitamin B2) und Vitamin E die empfohlene Zufuhrmenge. Bei den Vitaminen B6, B12, Niacin, Vitamin C und Vitamin A sind die Zufuhrwerte in bestimmten Personengruppen unter den Empfehlungen. Speziell bei Folat (Folsäure), Pantothensäure und Vitamin D erreichte keine einzige Studiengruppe die erwünschten Werte. Dies bedeutet, dass die Schweizer Bevölkerung in allen Alterskategorien die empfohlene Tageszufuhr von Folsäure, Pantothensäure und Vitamin D nicht erreicht.

Übersicht von Mikronährstoffen und den Referenzwerten der Schweizer

Vitamin D im Durchschnitt deutlich zu tief

Die Vitamin D Zufuhr liegt dabei sogar sehr deutlich zu tief mit durchschnittlich weniger als 20 % der empfohlenen täglichen Zufuhr von 15 µg (= 600 IE) pro Tag. Dies unterstreicht einmal mehr, dass eine Versorgung mit Vitamin D über die Nahrung nicht zu erreichen ist. In den Monaten April bis September ist eine Versorgung mit Vitamin D durch Eigensynthese über die Haut bei ausreichendem Aufenthalt im Freien an der Sonne möglich (wobei bedacht werden muss, dass die sinnvollerweise eingesetzten Sonnenschutzmittel die Vitamin D Synthese verringern). Von Oktober bis März ist die UV-B Strahlung in unseren Breitengraden leider zu schwach für eine ausreichende Vitamin D Synthese und es muss an Supplemente gedacht werden. (Mehr zu Vitamin D finden Sie hier)

Auch bei der Folsäurezufuhr wurden nur zwischen 80 % und 88 % der empfohlenen Zufuhrmenge erreicht. Dies ist gerade für junge Frauen kritisch, da eine ausreichende Versorgung mit Folsäure bei Kinderwunsch und Schwangerschaft von grosser Bedeutung für die Entwicklung des ungeborenen Kindes ist. (Mehr zu Folsäure und Schwangerschaft finden Sie hier)

Bei der Pantothensäure erreichen die Frauen sogar noch tiefere Werte als die Männer. Dabei spielt Vitamin B5 eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel, dem Stoffwechsel von Hormonen, Vitamin D und einigen Neurotransmittern und trägt zur Verringerung von Müdigkeit bei.

Auch beim Vitamin B12 zeigt sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. So sind die Männer deutlich besser versorgt als die Frauen.

Grafik über die Zufuhr ausgewählter Vitamine nach Altersgruppe und Geschlecht

Zufuhr ausgewählter Vitamine nach Altersgruppe und Geschlecht im Vergleich zu den D-A-CH-Referenzwerten (Bei Vitamin D Empfehlung des BLV als Referenz). Quelle: Schweizer Ernährungsbulletin 20211 Schweizer Ernährungsbulletin 2021 (admin.ch)

Versorgung von essentiellen Mineralstoffen bei der Bevölkerung

Bei den essentiellen Mineralstoffen erreicht mehr als die Hälfte der Bevölkerung die empfohlene tägliche Zufuhr nicht. Die tägliche Magnesiumzufuhr entspricht gerade knapp den Empfehlungen. Deutlich unter den empfohlenen Werten liegt die Zufuhr von Kalium, Kalzium und Jod.

Kalium hat essentielle Aufgaben innerhalb der Zellen, ist wichtig für den Energiestoffwechsel, das Herz-Kreislaufsystem (Blutdruck) und den Säure-Basen-Haushalt.

Kalzium ist der wichtigste Nährstoff für den Knochenstoffwechsel und hat im Körper und den Zellen weitreichende Funktionen. Auch in Deutschland und Österreich liegt die gemessene, durchschnittliche Zufuhr unter dem Referenzwert, weshalb ein Ernährungsbericht Kalzium als «Risikonährstoff» bewertet. Eine ungenügende Versorgung hat eine suboptimale Knochendichte zur Folge, welche sich in frühen osteoporotischen Veränderungen zeigen kann. Da Vitamin D eng mit dem Kalziummetabolismus in Verbindung steht (Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium im Darm und steigert die Einlagerung in die Knochenstruktur), ist eine Versorgung mit beiden Nährstoffen sehr wichtig.

Die Jodversorgung ist in der Jodmangelregion der Alpenstaaten ein bekanntes Problem. Die Anreicherung des Speisesalzes führte zu einer Verbesserung der Werte. Allerdings zeigt die vorliegende Studie deutlich, dass bei allen Studiengruppen die erwünschte Zufuhrmenge nach wie vor nicht erreicht wird.

Die Frauen liegen durchschnittlich 30 % unter der empfohlenen Eisenzufuhr von 15 mg pro Tag mit grosse Unterschieden innerhalb der Alterskategorien: die jüngeren Frauen zwischen 18 und 49 Jahren erreichen nur gerade 60 % der empfohlenen Zufuhr, die älteren Frauen gut 80 %. Im Gegensatz dazu erreichen die Männer beim Zink keine ausreichenden Werte. In keiner der Altersgruppen wird die empfohlene Zufuhr erreicht und liegt im Durchschnitt 12 % tiefer als erwünscht.

Die Versorgung mit Selen wurde in der vorliegenden Studie leider nicht untersucht. Für die Schweiz als Selenmangelgebiet wären diese Zahlen aber sehr interessant, auch im Hinblick auf die wichtige Rolle des Selens im Zusammenhang mit dem Immunsystem – aber auch für die Spermabildung sowie gesunde Haare & Nägel wie auch für die Schilddrüsenfunktion.

 Grafik über die Versorgung von essentiellen Mineralstoffen bei der Bevölkerung

Zufuhr ausgewählter Mineralstoffe nach Altersgruppe und Geschlecht im Vergleich zu den D-A-CH-Referenzwerten. (Bei Jod Empfehlung des BLV als Referenz). Quelle: Schweizer Ernährungsbulletin 20211 Schweizer Ernährungsbulletin 2021 (admin.ch)

Bei welcher Altersgruppe sind die Werte am niedrigsten?

Generell am besten mit Mikronährstoffen versorgt scheinen die 35- bis 49-jährigen Männer. Ältere Frauen ab 65 Jahren erreichen im Vergleich mit den jüngeren Altersgruppen tendenziell die niedrigsten Werte bei der Mikronährstoffversorgung (ausser mit den Vitaminen A, C und D).

Keine Aussagen lassen sich machen über die Mikronährstoffversorgung von Risikogruppen (z.B. Kranke oder ältere Menschen in Heimen), Kindern und Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden, Veganern oder Sportlern. Die Resultate beziehen sich folglich ausschliesslich auf die allgemeine, gesunde und erwachsene Bevölkerung. Es ist vor allem davon auszugehen, dass gerade bei vulnerablen Personengruppen aufgrund eines erhöhten Bedarfs oder reduzierter Aufnahme die Versorgung mit Mikronährstoffen noch deutlich tiefer liegt als in der durchschnittlichen Schweizer Bevölkerung.

 

Junge glückliche Personen  in einer Cafeteria

Fazit

Bei einigen der untersuchten Vitamine und Mineralstoffen zeigt sich deutlich, dass eine Versorgung über die Ernährung nicht oder nur aufwändig zu erreichen ist. In der gesunden Allgemeinbevölkerung können trotz sehr gutem Nahrungsangebot Unterversorgungen und folglich Mängel an Mikronährstoffen entstehen. Für die Risikogruppen kann eher eine noch tiefere Versorgung angenommen werden.

Eine gute Basisversorgung mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen in Form eines ausgewogen dosierten Nahrungsergänzungsmittels könnte daher allen –oder zumindest vielen- Personen- und Altersgruppen empfohlen werden.

Die Untersuchung zeigt ebenfalls geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in der Mikronährstoffversorgung. Hier könnte eine Sensibilisierung auf die Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften zu einer Verbesserung der Werte innerhalb dieser Gruppen beitragen.

 

Literatur 

1Schweizer Ernährungsbulletin 2021: Schweizer Ernährungsbulletin 2021 (admin.ch)

2Waefler M, Zuberbuehler CA (2021) Wie gut ist die Bevölkerung der Schweiz mit Mikronährstoffen versorgt? Schweizer Ernährungsbulletin: Seiten 111–129 DOI: 10.24444/blv-2021-0111 Link

 

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