Was wurde untersucht?
In dieser Post-hoc-Analyse wurden 188 Erwachsene mit arterieller Hypertonie und Vitamin-D-Spiegeln unter 75 nmol/l eingeschlossen. Die Teilnehmenden erhielten während acht Wochen täglich 2'800 I.E. Vitamin D3 oder ein Placebo. Vor und nach der Intervention wurden die verschiedenen Vitamin K-Formen (Vitamin K1, MK-4, MK-7) mittels LC-MS/MS (Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie), dem heutigen Goldstandard zur Messung von Vitamin K im Blut, bestimmt. Ziel der Analyse war, zu untersuchen, ob der Vitamin-K-Status zu Beginn die Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung auf die Endpunkte der Knochen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit nach der Intervention beeinflusste.
Die Ergebnisse
Wie erwartet erhöhte die Supplementierung den Vitamin-D-Status deutlich: Die 25(OH)D-Konzentration stieg im Mittel von 54 nmol/l auf etwa 82 nmol/l an. Gleichzeitig sank das Parathormon signifikant. Entscheidend war jedoch, dass sich bei keiner der im Blut untersuchten Vitamin-K-Formen ein Einfluss auf die Wirkung der Vitamin-D- Supplementierung zeigte. Weder Vitamin K1 noch MK-4 oder MK-7 veränderten die Effekte auf Marker des Knochenstoffwechsels oder auf verschiedene kardiovaskuläre Parameter. Auch umgekehrt fand sich kein Hinweis darauf, dass die Vitamin-D- Supplementierung den Vitamin-K-Status beeinflusst. Die Konzentrationen von Vitamin K1, MK-4 und MK-7 blieben unter Vitamin D unverändert.
Was bedeuten diese Resultate?
Die Studie liefert keinen Beleg dafür, dass Personen mit einem höheren Vitamin-K-Status stärker von einer Vitamin-D-Supplementation profitieren als Personen mit niedrigeren Vitamin-K-Spiegeln. Ebenso fand sich kein Hinweis darauf, dass Vitamin D einen erhöhten Vitamin-K-Bedarf verursacht. Damit widersprechen die Daten der häufig geäusserten Behauptung, Vitamin D sollte grundsätzlich immer zusammen mit Vitamin K eingenommen werden, um seine Wirkungen entfalten zu können. Die vorliegenden Ergebnisse sprechen zumindest gegen eine solche pauschale Empfehlung. Gleichzeitig wäre es voreilig, aus dieser Studie zu schliessen, dass eine Kombination von Vitamin D und Vitamin K grundsätzlich keinen Nutzen hat. Erstens untersuchte die Studie nicht die Wirkung einer Vitamin-K- Supplementierung, sondern lediglich den Einfluss des vorhandenen Vitamin-K-Status. Zweitens betrug die Interventionsdauer nur acht Wochen. Und drittens wurden ausschliesslich Surrogatmarker wie Blutdruck, Blutfette oder Knochenstoffwechselmarker untersucht, nicht jedoch klinische Endpunkte wie Frakturen oder kardiovaskuläre Ereignisse. Auch die Autoren selber weisen auf diese Einschränkungen hin.
Fazit für die Praxis
Die neue Studie zeigt: Ein guter Vitamin-K-Status scheint die Wirkung einer Vitamin-D- Supplementierung auf Knochen- und Herz-Kreislauf-Marker nicht zu verstärken. Ebenso fanden die Forschenden keinen Hinweis darauf, dass Vitamin D den Vitamin-K-Status verschlechtert oder einen erhöhten Vitamin-K-Bedarf verursacht.
Die Ergebnisse sprechen daher gegen die häufig anzutreffende Aussage, dass Vitamin D grundsätzlich nur zusammen mit Vitamin K sinnvoll eingesetzt werden könne.
Ob bestimmte Bevölkerungsgruppen langfristig von einer gezielten Kombination profitieren, bleibt jedoch weiterhin Gegenstand der Forschung.
Referenz
Theiler-Schwetz V et al. Vitamin K status has no influence on the effect of vitamin D supplementation on bone turnover and cardiovascular markers: a randomized controlled trial. Front Nutr. 2026 Jun 30;13:1857443.
