Wie wird die Säurelast der Ernährung bestimmt?
In wissenschaftlichen Studien wird die Säurelast meist mit zwei etablierten Parametern beschrieben:
PRAL (Potential Renal Acid Load)
Der PRAL beschreibt die potenzielle Säure- bzw. Basenlast einzelner Lebensmittel anhand ihrer Zusammensetzung. In die Berechnung fliessen sowohl säurebildende als auch basenbildende Nährstoffe ein.
Säurebildend:
- Protein
- Phosphor
Basenbildend:
- Kalium
- Magnesium
- Kalzium
Der PRAL gibt damit die theoretische Säurebelastung an, die über die Niere ausgeglichen werden muss. Da die westliche Ernährung meist mehr säurebildende als basenbildende Lebensmittel enthält, resultiert daraus in der Regel eine positive Säurelast.
NEAP (Net Endogenous Acid Production)
Der NEAP beschreibt die geschätzte körpereigene Säureproduktion und basiert hauptsächlich auf dem Verhältnis von Protein- zu Kaliumzufuhr. Er gilt daher auch als Marker des zugrunde liegenden Ernährungsmusters: Eine proteinreiche und gleichzeitig kaliumarme Ernährung führt zu höheren NEAP-Werten, während eine gemüse- und früchtereiche Ernährung typischerweise mit niedrigeren Werten verbunden ist.
Die bislang grösste Analyse zum Thema
In einer aktuellen Meta-Analyse wurden die Ergebnisse von 118 Beobachtungsstudien mit insgesamt über einer Million Teilnehmern ausgewertet. Ziel war es, die Zusammenhänge zwischen der Säurelast der Ernährung und verschiedenen Gesundheitsparametern systematisch zu untersuchen. Insgesamt wurden 38 unterschiedliche Endpunkte analysiert (Grafik 1).
Typ-2-Diabetes: Die stärkste Evidenz
Der deutlichste Zusammenhang zeigte sich für das Risiko eines Typ-2-Diabetes. Sowohl für PRAL als auch für NEAP wurde die Evidenz als überzeugend (Class I) eingestuft. Personen mit einer höheren Säurelast der Ernährung wiesen ein signifikant erhöhtes Diabetesrisiko auf.
Krebsrisiko ebenfalls erhöht
Auch für das Krebsrisiko insgesamt ergab sich ein konsistenter Zusammenhang. Die Evidenz wurde für NEAP als überzeugend (Class I) und für PRAL als hochgradig suggestiv (Class II) bewertet. Zudem zeigte sich für Brustkrebs eine hochgradig suggestive Evidenz bei höheren NEAP-Werten.
Blutdruck und weitere Gesundheitsparameter
Für den systolischen Blutdruck wurde ein Zusammenhang mit höheren PRAL-Werten gefunden, die Evidenz wurde als hochgradig suggestiv eingestuft.
Für zahlreiche weitere Endpunkte, darunter verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochengesundheit oder andere chronische Erkrankungen – fanden sich zwar teilweise statistische Zusammenhänge, die Evidenzqualität war jedoch meist deutlich schwächer.
Was bedeutet das für die Beratung?
Die Säurelast der Ernährung scheint ein Marker für bestimmte Ernährungsmuster zu sein. Ein hoher PRAL-/NEAP-Wert bedeutet in der Regel:
- geringer Gemüse- und Früchtekonsum
- niedriger Kaliumzufuhr
- hoher Konsum tierischer Produkte
- hohe Aufnahme stark verarbeiteter Lebensmittel
Interessanterweise decken sich die daraus ableitbaren Empfehlungen weitgehend mit den bekannten Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde Ernährung.
Fazit
Die aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass eine hohe Säurelast der Ernährung mit einem erhöhten Risiko für diverse Erkrankungen assoziiert ist. Die stärksten Zusammenhänge wurden für Typ-2-Diabetes und Krebserkrankungen gefunden.
Ob die Säurelast selbst dafür verantwortlich ist oder ob sie lediglich ein Marker für ein ungünstiges Ernährungsmuster mit wenig Gemüse und viel tierischen bzw. verarbeiteten Lebensmitteln darstellt, bleibt jedoch ungeklärt.
Referenz
Grafik 1: einige analysierte Endpunkte
Referenz
Abbastabar M et al. Dietary Acid Load and Human Health: A Systematic Review and Meta-analysis of Observational Studies. Nutrition Reviews. 2025;83(9):1641–1656.
