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Kurkuma: Wirkmechanismen und Einsatzmöglichkeiten

Kurkuma Wurzel und Pulver

Inhalt

Die Kurkumawurzel enthält 3–5 % Curcuminoide (77 % Curcumin, 17 % Demethoxycurcumin und 3–6 % Bisdemethoxycurcumin) sowie ca. 6 % Kurkumaöl. Weitere Bestandteile sind Kohlenhydrate (ca. 70 %), Fette, Proteine, Wasser und Mineralstoffe sowie Vitamine.1 In klinischen Studien werden zwar häufig lediglich die Curcuminoide eingesetzt, aber es ist bekannt, dass insbesondere Kurkumaöl viele Substanzen enthält, die ebenfalls biologisch wirksam sind: So weisen einige dieser Substanzen eine Antitumoraktivität auf.2

Die Einsatzmöglichkeiten von Kurkuma-Präparaten

Anti-Aging und Reduktion der „silent inflammation“: Viele von uns sind – aufgrund von physischer Inaktivität, Übergewicht, einer gestörten Darmflora (Dysbiose), schlechter Ernährung, chronischem Stress, schlechtem Schlaf, Rauchen und auch Exposition gegenüber Umweltgiften – von Entzündungsprozessen, insbesondere der sogenannten „silent inflammation“ (d. h. einer generalisierten niederschwelligen chronischen Entzündung) betroffen. Diese Entzündungsprozesse spielen bei vielen Zivilisationserkrankungen eine treibende Rolle (siehe Abbildung).3 Die antientzündliche Wirkung von Kurkuma bei dieser chronischen „low-grade-inflammation“ zeigt sich auf zellulärer Ebene in der Reduktion proinflammatorischer Transkriptionsfaktoren (wie NF-kB: fördert Entzündungsprozesse) und antioxidativer Marker.4 Die Reduktion dieser systemischen niederschwelligen Entzündung ist ein erklärtes Ziel von Anti-Aging-Strategien. Aufgrund der antientzündlichen Wirkung können Kurkumapräparate bei ganz unterschiedlichen Indikationen erfolgreich eingesetzt werden.

Entzündliche Erkrankungen (z. B. Rheuma, entzündliche Darmerkrankungen oder Psoriasis) und Arthrose:

Arthrose

Die Wirksamkeit von Curcumin bei Arthrose konnte durch zahlreiche Studien belegt werden. Curcumin scheint insbesondere Schmerzen zu reduzieren und die Funktionalität zu verbessern. Im Vergleich zu NSARs (schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente) treten unter einer Curcumin- Behandlung weniger gastrointestinale Nebenwirkungen auf.5,6

Älteres Ehepaar glücklich gemeinsam am Strand

 

Rheuma

Auch bei Rheuma wirkt Kurkuma: In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten Rheumapatienten 3 Monate lang 2-mal täglich ca. 125 mg oder 2-mal täglich 250 mg Curcuminoide (ein spezielles Kurkumapräparat, in dem die Curcuminoide an wasserlösliche Kurkumabestandteile gekoppelt wurden) oder ein Placebopräparat. Am Ende der Studie hatten nur die mit Kurkuma behandelten Patienten (beide Dosierungen) weniger Schmerzen. Auch die Gelenkfunktion und Entzündungsparameter waren signifikant verbessert.

Colitis ulcerosa

Eine aktuelle Metaanalyse zeigte, dass eine adjuvante Curcumin-Therapie bei Patienten mit Colitis ulcerosa, die mit Mesalazin behandelt werden, sinnvoll ist, da diese zu einer klinischen und endoskopischen Verbesserung in der Akut- wie auch in der Remissionsphase führt.8 Der Wirkung von Curcumin auf Entzündungsparameter ist jedoch nicht ganz eindeutig: Während die Entzündungsparameter CRP und hsCRP tendenziell reduziert waren, wurden IL-1beta, IL-6 und TNF-alpha durch die Curcumin-Supplementierung nicht signifikant gesenkt. Die Autoren dieser Metaanalyse weisen darauf hin, dass die Heterogenität der Studien und die teilweise geringe Probandenzahl dafür verantwortlich sein können, dass die Reduktion der Entzündungsparameter nicht signifikant war.9

Lebensstilfaktoren, die die Entstehung von niederschwelligen Entzündungen fördern

Metabolisches Syndrom inklusive Diabetes und Fettleber

Curcumin verbessert einige Komponenten des metabolischen Syndroms – insbesondere die Nüchternglucose (–11.7 mg/dl) bei Typ-2-Diabetes.10 Es scheint auch den Lipidstoffwechsel positiv zu beeinflussen.10,11 Eine aktuelle Metaanalyse zeigt darüber hinaus, dass curcuminhaltige Präparate die Endothelfunktion verbessern. Eine endotheliale Dysfunktion ist ein Marker für eine Atherosklerose. Interessanterweise profitieren Raucher weniger stark von einer Kurkumatherapie.12,13 Die klinische Bedeutung einer Curcumin Supplementierung bezüglich Kontrolle des Körpergewichts, Hüftumfangs und Blutdrucks ist weniger eindeutig.11,14,15 Der positive Effekt von Curcumin auf den Stoffwechsel lässt sich möglicherweise erklären durch Beeinflussung des Leberstoffwechsels (Reduktion der Leberenzyme im Blut)16,17 und durch Erhöhung des Adiponektinspiegels im Blut (niedrige Adiponektinspiegel begünstigen die Entstehung von Typ-2-Diabetes und koronaren Herzerkrankungen). 14,18,19

 

Psychische und neurologische Erkrankungen

Bei Depressionen, aber auch bei Demenz und Alzheimer scheinen Entzündungsreaktionen eine Rolle zu spielen. So ist es nicht erstaunlich, dass eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass Curcumin depressive und Angst-Symptome reduziert.20 Des Weiteren scheint Curcumin den BDFN(Brain-derived neurotrophic factor)-Serumspiegel zu erhöhen21 und neurotoxische Schäden, die bei einer Alzheimererkrankung auftreten, abmildern zu können.22 Oxidativer Stress und Muskelkater Curcumin hilft bei oxidativem Stress.23 Auch bei der Entstehung des Muskelkaters spielen oxidativer Stress und Entzündungsreaktionen eine Rolle. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass 2-mal 1 g Curcuminoid-Phospholipid-Komplex, 2 Tage vor und 2 Tage nach einer sportlichen Belastung, den Grad der Muskelverletzung und der Schmerzen reduzieren kann.24

Weitere Indikationen: Eine weitere Metaanalyse zeigt, dass der Einsatz von Curcumin möglicherweise auch bei Reizdarm sinnvoll ist, allerdings ist die Datenlage noch schwach.25

Schlussfolgerung

Entzündungsprozesse spielen bei zahlreichen Zivilisationserkrankungen eine Rolle. Der Einsatz von Kurkumapräparaten, die nachweislich antientzündlich wirken, ist deshalb sinnvoll. Die Einnahme sollte idealerweise über den Tag (am besten morgens und abends) verteilt werden.

Die Bioverfügbarkeit von Kurkuma

Die Wurzel von Kurkuma

Der therapeutische Einsatz der Kurkumawurzel war lange dadurch limitiert, dass die Bioverfügbarkeit und die Stabilität der Aktivsubstanzen, insbesondere der Curcuminoide, sehr schlecht waren. In jüngerer Zeit ist es gelungen, die sehr fettlöslichen Curcuminoide mit gut wasserlöslichen Molekülen zu koppeln: Zunächst werden die Aktivsubstanzen (vorwiegend die Curcuminoide) mittels Extraktionsverfahren aus der Wurzel gewonnen. Danach werden die aufgereinigten Curcuminoide mit unterschiedlichen Partikeln gekoppelt:

(a) wasserlösliche Mikropartikel: mittels Bildung von Micellen, Liposomen und Emulsionen wird die Bioverfügbarkeit verbessert.

(b) Nanopartikel (10–100 nm): Hierbei werden die Curcuminoide mit wasserlöslichen

Bestandteilen wie z. B. PLGA/PEG (poly(lactic-co-glycolicacid)/polyethylenglycol) oder auch festen Lipid-Nanopartikeln gekoppelt.26

Alle diese Verfahren haben den Nachteil, dass Kurkuma-fremde Hilfsstoffe eingesetzt werden müssen. Es gibt aber mittlerweile neue Kurkumarohstoffe, bei denen die Curcuminoide und die fettlöslichen Bestandteile des Kurkumaöls mit den wasserlöslichen Kurkumabestandteilen gekoppelt werden. Dieses Verfahren ermöglicht eine gute Bioverfügbarkeit der Aktivsubstanzen ohne Zusatz von Hilfsstoffen.

Studien:

1 Kotha RR & Luthria DL. Curcumin: biological, pharmaceutical, nutraceutical, and analytical aspects. Molecules 2019;24:2930 (doi:10.3390/molecules24162930).

2 Nair A et al. Non-curcuminoids from turmeric and their potential in cancer therapy and anticancer drug delivery formulations. Biomolecules 2019;9:13 (doi:10.3390/biom9010013).

3 Furman D et al. Chronic inflammation in the etiology of disease across the life span. Nat Med. 2019;25(12):1822-32.

4 He Y et al. Curcumin, inflammation, and chronic diseases: how are they linked? Molecules 2015;20(5):9183-213.

5 Bannuru RR et al. Efficacy of curcumin and boswellia for knee osteoarthritis: systematic review and meta-analysis. Semin Arthritis Rheum 2018;48(3):416-29.

6 Wu J et al. Efficacy and side effect of curcumin for the treatment of osteoarthritis: a meta-analysis of randomized controlled trials. Pak J Pharm Sci 2019;32(1):43-51.

7 Amalraj A et al. A novel highly bioavailable curcumin formulation improves symptoms and diagnostic indicators in rheumatoid arthritis patients: a randomized, double-blind, placebo-controlled, two-dose, three-arm, and parallel-group study. J Med Food 2017;20(10):1022-30.

8 Chandan S et al. Curcumin use in ulcerative colitis: is it ready for prime time? A systematic review and meta-analysis of clinical trials. Ann Gastroenterol 2020;33(1):53-58.

9 White CM et al. Oral turmeric/curcumin effects on inflammatory markers in chronic inflammatory diseases: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Pharmacol Res 2019; 146:104280. 

10 Poolsup N et al. Effects of curcumin on glycemic control and lipid profile in prediabetes and type 2 diabetes mellitus: a systematic review and meta-analysis. PLoS ONE 2019;14(4):e0215840.

11 Azhdari M et al. Metabolic benefits of curcumin supplementation in patients with metabolic syndrome: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytother Res 2019;33 (5):1289-301.

12 Changal KH et al. Curcumin preparations can improve flow-mediated dilation and endothelial function: a meta-analysis. Complement Med Res 2020;doi:10.1159/000506180.

13 Hallajzadeh J. The effects of curcumin supplementation on endothelial function: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytother Res 2019;33(11):2989-95.

14 Akbari M et al. The effects of curcumin on weight loss among patients with metabolic syndrome and related disorders: a systematic review and meta- analysis of randomized controlled trials. Front Pharmacol 2019;10:649.

15 Hadi A. et al. The effect of curcumin/turmeric on blood pressure modulation: a systematic review and meta-analysis. Pharmacol Res 2019;150:104505.

16 White CM & Lee JY. The impact of turmeric or its curcumin extract on nonalcoholic fatty liver disease: a systematic review of clinical trials. Pharm Pract 2019;17(1);1350.

17 Goodarzi R et al. Does turmeric/curcumin supplementation improve serum alanine aminotransferase and aspartate aminotransferase levels in patients with nonalcoholic fatty liver disease? A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytother Res 2019;33(3):561-70.

18 Clark CCT et al. The effect of curcumin supplementation on circulating adiponectin: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Diabetes Metab Syndr 2019;13(5):2819-25.

19 Simental-Mendia LE. et al. A systematic review and meta-analysis of the effect of curcuminoides on adiponectin levels. Obes Res Clin Pract 2019;13(4):340-4.

20 Fusar-Poli L et al. Curcumin for depression: a meta-analysis. Crit Rev Food Sci Nutr 2019;doi:10.1080/10408398.2019.1653260.

21 Sarraf P et al. Short-term curcumin supplementation enhances serum brain-derived neurotrophic factor in adult men and woman: a systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. Nutr Res 2019;69:1-8.

22 Da Costa IM et al. Supplementation with curcuma longa reverses neurotoxic and behavioral damage in models of Alzheimer’s disease: a systematic review. Curr Neupharmacol 2019;17(5):406-21.

23 Alizadeh M & Kheirouri S. Curcumin reduces malondialdehyde and improves antioxidants in humans with diseased conditions: a comprehensivemeta-analysis of randomized controlled trials. BioMedicine 2019;9(4):10-22.

24 Drobnic F et al. Reduction of delayed onset muscle soreness by a novel curcumin delivery system (Meriva®): a randomized, placebo-controlled trial. J Int Soc Sports Nutr 2014;11:31.

25 Ng QX et al. A meta-analysis of the clinical use of curcumin for irritable bowel syndrome (S). J Clin Med 2018;7:298

26 Salehi B et al. Therapeutic applications of curcumin nanomedicine formulations in cardiovascular diseases. J Clin Med 2020;9:746.