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Atopische Dermatitis – diese Mikronährstoffe eignen sich zur unterstützenden Therapie

Frau pflegt ihre Haut

Inhalt

Die Therapiemöglichkeiten bei Neurodermitis

Neben der Behandlung mit topischen Glukokortikoiden und rückfettenden Salben kommen im Falle von schwer ausgeprägten Ekzemen auch antiinflammatorische, systemische Therapien (z. B. Kortisontabletten) zum Zuge. In der orthomolekularen Medizin werden vor allem entzündungshemmende, antiallergische und immunmodulierende Nährstoffe verwendet, von denen nachfolgend einige diskutiert werden.

Gamma-Linolensäure senkt signifikant den Schweregrad einer atopischen Dermatitis

Gamma-Linolensäure (GLS; Omega-6-Fettsäure) ist ein entscheidender Baustein in der Bildung von Hautfett und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Es gibt Anhaltspunkte, dass bei Neurodermitikern die Aktivität des Enzyms Delta-6-Desaturase beeinträchtigt ist, wodurch weniger Gamma-Linolensäure aus Linolsäure gebildet werden kann. In einer aktuellen Publikation wurde der Effekt einer täglichen Supplementierung von Nachtkerzenöl (reich an GLS) bei Neurodermitikern untersucht.1

Studie mit Gamma-Linolensäure bei Kindern und Erwachsenen

Die doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Studie umfasste 50 Patienten im Alter zwischen 2 und 24 Jahren, welche entweder 4-mal täglich 1 Kapsel mit 450 mg Nachtkerzenöl (40 mg GLS) oder ein entsprechendes Placebopräparat mit Sojaöl erhielten. Kinder zwischen 2 und 12 Jahren bekamen nur 2-mal täglich eine Dosis.

Zu Beginn der Studie und nach vier Monaten wurden der EASI-Score (EASI: Eczema Area Severity Index), der TEWL (transepidermaler Wasserverlust), die Hautfeuchtigkeit, die VAS (Visual Analogue Scale) für Hautjucken und die IgE (Antikörper gegen einzelne Allergene) im Blut bestimmt.

Grafik zur Studie mit Gamma-Linolensäure bei Kindern und Erwachsenen mit Neurodermitis
Signifikante Verbesserung des EASI-Scores durch die Einnahme von Nachtkerzenöl über 4 Monate.

Resultate

Nach der Intervention wurde in der Verumgruppe im Vergleich zur Placebogruppe eine signifikante Verbesserung des EASI-Scores erzielt (p = 0,010), siehe Abb. 1.
Die Abnahme des TEWL bzw. die Zunahme der Hautfeuchtigkeit (Vorderarm) fiel – verglichen mit der Placebogruppe – in der Nachtkerzenölgruppe stärker aus; diese Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Beim VAS für Hautjucken und den IgE im Blut wurden keine Unterschiede beobachtet.
Eine offene Studie von 2014 konnte zudem zeigen, dass die klinische Verbesserung der Symptome einer Neurodermitis durch eine GLS-Supplementierung mit der Stärke des GLS-Plasmaanstiegs korreliert (p=0,008).2

Vitamin D3 bei Neurodermitikern

Das aktive Vitamin D3 (1,25-(OH)2-Vitamin D3) scheint die Expression von antimikrobiell wirksamen Peptiden (z. B. Cathelicidin), welche immunsuppressive Eigenschaften besitzen, auf der Haut zu induzieren. Ausserdem hilft das aktive Vitamin D3 vermutlich dabei, Hautinfektionen, die häufig bei Neurodermitikern vorkommen, zu verhindern.

Studien mit Vitamin D3

In einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie an 24 Personen, welche entweder 2000 IE Vitamin D oder Placebo erhielten, konnte nach vier Wochen in der Verumgruppe eine signifikante Verbesserung sowohl des SCORAD(Severity Scoring of Atopic Dermatitis)-Scores als auch des Erythem-Index im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt werden (p < 0,05).3 Darüber hinaus gab es eine inverse Korrelation zwischen dem Vitamin-D-Serumspiegel und der Besiedlung mit Staphylococcus aureus und dem SCORAD-Score (p < 0,001).

Eine Metaanalyse von 2016 konnte zeigen, dass Patienten mit Neurodermitis tiefere 25(OH)D-Serumspiegel im Vergleich zu gesunden Personen aufweisen (standardisierte Mittelwertsdifferenz = -2,03 ng/ml; 95%-CI = -2,52 - 0,78) und der SCORAD-Score sowie der EASI-Index nach Vitamin-D-Supplementation (1000–1600 IE pro Tag, 1–2 Monate) abnehmen.4

Probiotika in der Therapie von Neurodermitis bei Kindern

In einer aktuellen Metaanalyse wurden die Effekte von Probiotika in der Therapie der Neurodermitis bei Kindern untersucht.5 In die Metaanalyse eingeschlossen wurden insgesamt 13 randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit Daten zu 1070 Kindern.

Resultate

Die Metaanalyse zeigte signifikant bessere Werte im SCORAD-Score nach der Gabe von Probiotika als in den Kontrollgruppen (p < 0,001). Analysen der Subgruppen zeigten, dass diese Verbesserung diejenigen Studien mit Multispezies-Probiotika sowie Lactobacillus fermentum und Lactobacillus salivarius betrifft. Auch eine Studie mit Lactobacillus paracasei GMNL-133 schnitt sehr gut ab.

Die wissenschaftliche Absicherung der positiven Effekte von Probiotika bei atopischer Dermatitis ist heute so weit fortgeschritten, dass ihre Anwendung in der aktuellen Richtlinie der World Allergy Organization (WAO) empfohlen wird.6

Weitere Mikronährstoffe

Untersucht und teilweise eingesetzt werden auch Fischöl, Zink, Selen, Calcium, Magnesium und Vitamin C, wobei die Datenlage dieser Nährstoffe in Bezug auf den Einsatz bei Neurodermitis noch heterogen ist.

Fazit

Die vorliegenden Resultate zeigen, dass eine Kombination einer Standardtherapie sowie die Gabe von Nachtkerzenöl, Vitamin D und Probiotika die Symptome von Neurodermitis zusätzlich lindern können, v. a. auch bei Kindern.

Literatur

1 Chung BY et al. Effect of evening primrose oil on Korean patients with mild atopic dermatitis. A randomized, double-blinded, placebo-controlled clinical study. Ann Dermatol 2018;30(4):409–416. 

2 Simon D et al. Gamma-Linolenic Acid Levels Correlate with Clinical Efficacy of Evening Primrose Oil in Patients with Atopic Dermatitis. Adv Ther 2014;31:180–188. 

3 Udompataikul M et al. The Effects of Oral Vitamin D Supplement on Atopic Dermatitis: A Clinical Trial with Staphylococcus aureus Colonization Determination. J Med Assoc Thai 2015;98 Suppl 9:S23–30. 

4 Kim MJ et al. Vitamin D Status and Efficacy of Vitamin D Supplementation in Atopic Dermatitis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients 2016;8(12):pii 789. 

5 Huang R et al. Probiotics for the Treatment of Atopic Dermatitis in Children: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Front Cell Infect Microbiol 2017;7:392. 

6 Fiocchi A et al. World Allergy Organization-McMaster University Guidelines for Allergic Disease Prevention (GLAD-P): Probiotics. World Aller Org J 2015;8:4.